Grachtenfahrten in Amsterdam

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Amsterdam, oh Amsterdam! Es gibt Tage, an denen denke ich öfter an die Stadt als andere Frauen an ihren Freund. Ich sehe die entzückend schmalen und schiefen Häuser der Stadt, die Gassen voller liebevoll dekorierter Boutiquen und ich höre das ungeduldige Klingeln blitzschneller Radfahrer. Im gleichen Augenblick sehe ich vor meinem Auge die vielen Grachten, die der Stadt ihr typisches Gesicht verleihen – ich erinnere mich daran, wie magisch es ist, sich die Stadt vom Boot aus anzusehen. Man könnte sogar behaupten: Wer Amsterdam nicht vom Boot aus gesehen hat, hat Amsterdam nicht richtig gesehen! Kommt mit und entdeckt mit mir Amsterdam vom Boot aus!

Ganze 165 Grachten und 1.281 Brücken durchziehen Amsterdam. Weil das mehr Wasserkanäle als in Venedig sind, wird die Stadt auch liebevoll „Venedig des Nordens“ genannt. Wir beginnen unsere Tour im Westerdok oberhalb vom Hauptbahnhof, beim Bootsverleih Canal Motorboats. Hier im Hafen haben wir genug Platz, die ersten Kurven mit unserem neuen Freund, einem stabilen Alu-Motorboot, auszutesten. Denn ein wenig Wendegeschick kann später auf den teils sehr schmalen Grachten sicher nicht schaden. Schließlich herrschen hier eigene Verkehrsregeln: Groß vor klein statt links vor rechts.

Als Erstes fahren wir den äußeren Kanal des Grachtengürtels von Amsterdam entlang – die Prinsengracht. Der Grachtengürtel besteht aus vier Grachten, die den inneren Kern der Stadt, mit seinem weltberühmten Rotlichtviertel und den Coffeeshops, wie einen Gürtel umschlingen. Auf diesen Wegen geht es stets geradeaus und wir können uns nicht verfahren. Zeit, die tollen Hausboote links und rechts unter die Lupe zu nehmen. Hier ein Blick ins Wohnzimmer, da ein Blick auf die Terrasse und zwischendrin ein kurzes Nicken zum Opa, der gerade an seinem Boot werkelt. Ganze 2.500 Hausboote sollen in Amsterdam stehen, wobei die Bandbreite vom heruntergekommenen Piratenschiff bis zum Designerstück reicht.

 

Cafe1762_Snapseed

 

Die Prinsengracht, auf der wir fahren, ist Teil der 9 Straatjes: Ein Viertel aus neun Straßen bestückt mit hippen Second Hand Läden, netten Cafés und buntem Amsterdamer Lifestyle. Wir parken unser Boot auf Höhe der Elandsgracht – der wohl stylischsten Ecke Amsterdams – und steigen aus. Hier gönnen wir uns ein Eis bei Yscuypje. Bei fast 40 Sorten, die zur Auswahl stehen, darf es auch Mal ein größeres Eis werden.

 

Elandsgracht_Snapseed

 

Auf dem Gürtel fahren wir weiter und staunen über die extrem schmalen und noch viel schieferen Häuser der Stadt. Die Häuser sind so schmal, weil früher die Zölle nur nach Hausbreite berechnet wurden, die Leute jedoch trotzdem Stauraum brauchten. Schief sind sie wegen des feuchten und sandigen Untergrunds. Gut eine Stunde Fahrtzeit braucht es, bis wir die Amstel im südlichen Teil der Stadt kreuzen und zum Rückweg wenden. Nun haben wir die Stadt einmal halb umrundet. Wer genug Zeit und Antiquitätenliebe mitbringt, sollte montags bis samstags einen Zwischenstopp auf dem Flohmarkt am Waterlooplein einplanen.

 

Bruecke_1521

 

Alle mit weniger Zeit können schon vorher umdrehen. Beide Rückwege führen uns auf die Herengracht, eine Parallelgracht zu der auf unserem Hinweg. Damals als Straße der wohlhabenden Bankiersleute bekannt, finden wir hier die prächtigsten und wohl teuersten Grachtenhäuser und kommen aus dem Staunen gar nicht mehr raus: Kronleuchter, soweit das Auge reicht. Wer davon nicht genug bekommt, wagt einen Abstecher zum Singel. Vorbei am schwimmenden Blumenmarkt befindet sich hier am Koningsplein Die goldene Biegung, die ihren Namen den prunkvollen Häusern verdankt und uns zurück zum Ausgangspunkt bringt.

 

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Geheimtipp: Wen der Hunger treibt, der sollte bei der Pizzeria San Marco im Süden der Stadt vorbeischauen. Durch das Fenster im Keller wird euch die Pizza hier direkt aufs Boot geliefert. Mjammii!

 

Fakten:
Einen guten Preis für ein Boot bekommt ihr bei Canal Motorboats. Ein Boot kostet hier 50,- für die erste Stunde, 40,- für die Zweite und nur noch 30,- für die Dritte. Bis zu sieben Personen passen auf ein Boot, welches fast sechs Meter lang und knapp  zwei Meter breit ist. Ein Boot zu mieten ist super einfach und dank des robusten Materials kann auch nicht viel kaputt gehen.

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