Lebe, liebe, lache… und fahre Skateboard! Die Skatergirls von Paris

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Es ist ein heißer Sommertag Ende Juli als Laureline nach ihrer Kamera greift. Das majestätische Licht der blutroten Sonne über der Skyline von Paris erstrahlt in der ganzen Umgebung. Das junge französische Mädchen beobachtet die Silhouette eines fahrenden Longboarders am Dock, wartet auf den magischen Moment und macht dann das Foto des Tages. Als das Tageslicht langsam verschwindet und die Dämmerung einsetzt, tauscht sie ihre Kamera gegen das Longboard ein, legt es auf den Asphalt und gleitet anmutig zurück zu ihren Freunden auf Rollen. Seit einem Jahr bringen Longboarder Leben, Aktion und Bewegung an einen Ort, der ehemals eine geschäftige Hauptverkehrsstraße für Autos entlang der Seine im Zentrum von Paris war. Die, sowohl für Zuschauer, als auch für Teilnehmer, dynamischen anspruchsvollen Aktivitäten vor dem Museum d’Orsay, hinter der Passerelle Léopold-Sédar-Senghor, wurden schnell zu einem populären Ereignis für Leute allen Alters, die sich dort versammeln.

 

© Laureline Charles

© Laureline Charles

 

Alex Massin und Lotfi Lamaali sind seit langem befreundet und leidenschaftliche Skateboarder. Sie haben diesen perfekten Ort für regelmäßige Longboarder-Treffen entdeckt. Ihr Ziel war es, die lokale Boarder-Gemeinschaft zu vergrößern und auch ein Auge auf lokale Talente zu werfen, sowie die Longboarder von Paris zu vereinen. So war die Idee der Docksession geboren. Docksession ist für alle geeignet, die mutig genug sind und den Versuch auf einem Skateboard wagen: Es gibt mehrere Skate-Events in ganz Frankreich pro Jahr und ein wöchentliches Meeting jeden Donnerstag in Paris. Regelmäßige Skater helfen gerne den Newcomern und teilen ihre Erfahrungen.  Wenn Laureline die wöchentlichen Zusammentreffen, die sie und andere sehr beeinflusst haben, beschreiben soll, nutzt sie die Wörter: Freude, Spaß, Musik und Lernen. Zusammen mit ihren Freunden verbringt sie so viel Freizeit wie möglich an dem Ort, der nicht nur Longboarder vereint, sondern auch dabei hilft, die kreativen Fähigkeiten zu verbessern.

 

© Laureline Charles

© Laureline Charles

 

Tonia ist eine gute Freundin von Laureline. Sie ist regelmäßig bei den Docks und man sieht sie oft mit ihrer leuchtend orangenen Sonnenbrille und ihrem Lieblingssong auf den Kopfhörern entlang fahren. Tonia und Laureline sind zwei einer immer größer werdenden Zahl an Mädchen, die bei den Docksessions skaten. Obwohl Skateboarding immer noch als männerdominierter Sport angesehen wird, hat der einfache Zugang und die Eleganz des Longboardings dazu beigetragen, die vor allem rebellischen Stereotype zu verändern. „Longboarding ist stabiler und weniger aggressiver. Es ist super, um sich in der Stadt zu bewegen. Diese Docks sind in der Nähe der Autos und der Platz ist sehr groß und flach“ sagt Laurine. Ihr Lieblingstrick ist der so genannte Peter Pan, eine extrem flache Bewegung, die so leichtfüßig wirkt, dass sie den Eindruck erweckt, als würde man auf dem Board tanzen.

 

© Michael Mortlock

© Michael Mortlock

 

Der Charme des Longboarden liegt weniger in den Stunts, sondern in dem sanften Dahingleiten, weswegen es oftmals als Variante des Surfens angesehen wird. Das längliche Design vereinfacht es, mit dem Brett vorwärts zu kommen, macht es leicht zu beschleunigen und ermöglicht auch Tricks, wie das cross-stepping. Es ist möglich relaxt beim Fahren zu sein und das zeigt wie ähnlich es dem Wellenreiten ist. „Beim Longboarden können wir tanzen und gleiten, aber wir machen beides“ betont Laureline. „Es ist witzig, dass die Touristen stehen bleiben, um uns zu fotografieren, weil der Sport anmutig, überraschend und unglaublich ist“. Neben ihrem Interesse für das Skaten selbst, macht Laureline bei den meisten Docksessions Fotos und hat so ihr Talent für die Fotografie entdeckt. „Es macht mir Spaß Fotos zu schießen und die Longboarder freuen sich darüber, sich selbst in Aktion zu sehen. Zudem erkennen sie so auch ihre Fortschritte“.

 

© Laureline Charles

© Laureline Charles

 

Die Docksessions haben das Leben vieler Teilnehmer verändert, die den Platz als Treffpunkt nutzen und so dutzende andere kulturelle Aktivitäten kennenlernten. Nachts verwandeln sich die Docks in extravagante Festivals aus Musik, Licht, Lachen und Longboarding mit lokalen und internationalen Bands und DJs, die für die Leute auftreten.Was mit den Docksessions in Paris begann, kann sich bald in ein weltweites Netzwerk von Longboarding-Events verwandeln. Die Gründungsmitglieder haben bereits in anderen Städten in Frankreich, wie Bordeaux, Toulouse und Nantes, expandiert und kürzlich haben bereits in weit entfernten Ländern wie Japan Sessions stattgefunden. Wenn die Gemeinschaft wächst, wird das noch mehr Leute ermutigen, mit dem Longboarden und dem Lifestyle, der damit verbunden ist, anzufangen. Laureline bezeichnet das Gefühl des Longboarden als Freiheit. „Wenn Du Longboard fährst, denkst Du an nichts anderes. Der Körper und der Geist sind in Aktion und fühlen sich verbunden“.

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