Streetfood-Märkte in London

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London ist groß. Unglaublich groß! Da kann man wertvolle Zeit verlieren, wenn es darum geht herauszufinden, wo man am besten unserem Lieblingshobby nachgehen kann: essen. Denn wenn ihr wie ich seid, dann ist es ein absolut wesentlicher Aspekt jedes Städtetrips, die Orte zu finden, an denen man am besten essen kann.

 

Wenn ihr also in London seid, wäre es verrückt, nicht mindestens einen der berühmten Streetfood-Märkte zu besuchen. Der Auftrag von On the Move lautete, mich auf den Weg zu machen. Um Spezialitäten zu probieren, nette Leute zu treffen und mir ihre Geschichten anzuhören. Darum muss man mich nicht zweimal bitten. So habe ich meine Oyster Card abgestaubt und mir meinen liebsten Foodie-Begleiter und London-Kenner Kristian geschnappt. Unser Ausgangspunkt war die Liverpool Street Station, und wir waren bereit, uns im Dienste des Journalismus so richtig vollzustopfen.

 

09:30 Brick Lane

Bei unserer Ankunft brauchen wir erst einmal einen Snack, also laufen wir das kurze Stück bis zum Beigel Bake an der Brick Lane. Der Laden ist rund um die Uhr geöffnet. Tolle Präsentationen darf man hier nicht erwarten, dafür riesige Portionen gepökeltes Rindfleisch. Auch einen besonders warmherzigen Empfang darf man sich nicht erhoffen; stattdessen wird man barsch aufgefordert, sich gefälligst richtig anzustellen, nicht selten gefolgt von weiteren liebevollen Neckereien. Dafür bekommt man aber auch nicht nur einfach einen Pastrami-Bagel, sondern den echten Geschmack des Londoner East Ends. So gestärkt geht es zu Fuß weiter Richtung Osten zur ersten Station unserer Tour.

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10:40 Broadway Market

Weniger überlaufen und weniger berühmt als Camden oder Borough Market, ist der Broadway Market Hackney pur. Kristian und ich lassen die Kunsthandwerkerstände, die sich hier reihenweise tummeln, jedoch links liegen. Wir haben nur eine Mission: Frühstück!

 

Die Händler bieten uns großzügig Kostproben an, was eine tolle Möglichkeit ist herauszufinden, worin man am besten investieren sollte. Der unwiderstehliche Duft von gegrilltem Fleisch und der Lockruf von ‘Bad Ass Bacon Butties’ führen uns direkt zu einem umgebauten alten Krankenwagen aus den 60er Jahren. Le Swine ist seit 3 Jahren das Baby des leidenschaftlichen Foodies James. Krosser, salziger Bacon und Eier von Freilandenten mit noch flüssigem Eigelb in einem süßen Brioche-Brötchen, zur Perfektion gebracht mit einem großzügigen Klecks erdigem Pilz-Ketchup. Eine perfekte Balance aus Geschmack und Textur und eine ganz neue Herangehensweise an einen britischen Klassiker. Das ist ein Frühstück der Extraklasse.

Le Swine (2)

11:15 Netil Market

Etwas abgelenkt von einem goldenen Eigelbstrom, der sich meiner Kamera gefährlich nähert, bin ich aber doch noch in der Lage, den Empfehlungen der professionellen Schweine-Dealer zuzuhören, die uns die Baos (chinesische Dampfbrötchen) ans Herz legen, die etwas versteckt gleich um die Ecke zu finden sein sollen. Vom Netil Market haben wir noch nie gehört, also bahnen Kristian und ich uns unseren Weg durch die Menge, stärken uns mit einem frisch gepressten Apfelsaft und bestellen in einem Laden mit dem passenden Namen Bao Bar zwei Runden der besten Baos, die ich je gegessen habe. Unbedingt probieren, ihr werdet es nicht bereuen!

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12:15 Borough Market

Von saftigem Grillfleisch bis zum geschmolzenen Raclette-Käse ist dieser Ort eine Oase voller lokaler Produkte, die man für Zuhause einkaufen oder einfach hier, mitten in der Menge, verspeisen kann. Wer an Londoner Märkte denkt, denkt an den Borough Market. Hier muss man sich Zeit nehmen, den Anblick, die Geräusche und all diese Gerüche aufsaugen und einfach auf Entdeckungstour gehen. Zunächst treiben wir uns etwas an den äußeren Rändern des Marktes herum und verschlingen gierig all die köstlichen Gratisproben an Käse, Fleisch und Brot der verschiedenen Anbieter: von Zach, dem Comté-Mann, Jennifer mit ihrer rosa Pfeffersalami und Bart mit seinem Bio-Butternusskürbis.

 

Mit zunehmendem Hunger dringen wir tiefer ins Zentrum des Marktes vor und haben schon bald einen Teller knusprig frittierten Tintenfisch mit Salz und Pfeffer von Furness Food Hut vor uns, den wir mit einem Becher Sangria runterspülen. Sie ist kalt und süß und der perfekte Kontrast zu den pikanten Meeresfrüchten. Wir sind uns einig, dass wir hier den ganzen Tag verbringen könnten. Aber unsere Arbeit ist noch nicht getan. Wir haben noch einige Märkte vor uns.

 Salt and Pepper Squid

14:50 Brixton Village

Fahrt nach Brixton. Fahrt nach Brixton! Fahrt nach Brixton!! Lasst euch nicht von den oberflächlichen Popups blenden und geht direkt ins Village. Neben Werkzeugen und Haushaltswaren findet ihr hier eine der spektakulärsten Foodie-Locations in ganz London. Kommt nicht allein, nehmt euch Zeit, teilt euch die verschiedensten Gerichte und esst, esst, esst.

 

Wir beginnen mit einer Crêpe bei Senzala; gesund, voller Geschmack und mit Persönlichkeit serviert. Dann holen wir uns einen Drink bei Jalisco, wo das Ehepaar Wilson und Carolina unglaubliche Burritos serviert. Wunderbare Dim Sum und Jasmintee gibt es bei Mama Lan’s, dann weiter zu Etta’s Seafood Kitchen für ein wahrhaft köstliches und modernes jamaikanisches Menü. “Alles mit Fisch”, erklärt uns Etta mit einem Lächeln. Ich bezweifle jedoch den ozeanischen Ursprung des Brotes. Etta bricht in Gelächter aus und tätschelt mir fröhlich den Arm.

Ella, Ella's Seafood Kitchen

16:00 Southbank Centre Market

Hier gibt es ein leckeres Scotch Egg – ein weiterer britischer Klassiker, den man nicht verpassen sollte.

 

18:25 Voodoo Ray’s

Bei BOXPARK Shoreditch sollte man sich unbedingt ein Stück Voodoo Ray’s NY Style Pizza holen. Ich nehme den Hot Mix 5 – einfach fantastisch!

 

18:50 Food Village

2 Minuten Fußweg vom Bahnhof Shoreditch High Street und sehr praktisch gegenüber von Voodoo Ray’s gelegen, bietet das Food Village verschiedene gute Streetfood-Optionen. Das Angebot ist relativ typisch, aber sehr gut – probiert einfach, so viel ihr könnt! Es gibt Pizza, Burritos, Cocktails und vieles mehr, aber wir konzentrieren uns auf Gamekeeper und ihre beeindruckende Auswahl an Produkten aus Rehfleisch. Diese vermeintlich simplen Gerichte sind zwar nicht ganz billig, aber ihren Preis wert. Schließlich werden sie von Küchenchefs zubereitet, die ganz genau wissen, was man aus einer Rehkeule machen kann!

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