Vintage is the new modern

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Vintage, eigentlich Synonym für Originalkleidung aus vergangenen Jahrzehnten, und sogenannte Retromode, „neue“ Kleidungsstücke, die durch Design oder Schnitt an frühere Modezeiten erinnern, erfreuen sich seit Jahren immer größerer Beliebtheit. Und das nicht ausschließlich nur in den Szenebezirken großer Metropolen. Direkt am Rande des Scheunenviertels in Berlin kommen Vintage- und Retrofans im Kaufhaus „Class of Berlin“ voll auf ihre Kosten. Warum wir uns aber immer mehr nach schmaler Taille oder Petticoats sehnen, verrät Franziska Kühne. Als Schneiderin und Gründerin des Retrolabels „Marlenes Töchter“ kennt sie sich schließlich aus.

(c) Stephan Kaeding (StAnchorGraphics) 0

Du hast im letzten Jahr 10-jähriges Bestehen gefeiert. Kannst du uns kurz etwas zur Entstehung deines Labels erzählen?

Nach meinen Ausbildungen zur Modeschneiderin und zur Technischen Assistentin für Mode und Design habe ich ein Praktikum bei einem 1950s Label gemacht. Die 50er Jahre sind mir aber meist zu bunt, zu plakativ. Ich wollte da etwas Anderes machen. Verschiedene Umstände haben dann 2005 zur Gründung meines eigenen Labels geführt: zum einen ist es als Schneiderin sehr schwierig eine Festanstellung zu finden, die dann noch einigermaßen gut bezahlt wird. Auf Anstellung wollte ich dann also nicht hoffen. Die Selbstständigkeit war dann für mich die einzige Möglichkeit als Schneiderin mit Kind berufstätig zu sein.

 

Auf deiner Homepage heißt es, dass du „klassische Schnitte neu interpretierst“. Was ist die Idee hinter „Marlenes Töchter“, wie kann man sich deine Mode vorstellen?

Ich orientiere mich mit meinen Schnitten vor allem an der Mode der 1930er und 40er Jahre, die finde ich persönlich einfach am schönsten.  „Marlenes Töchter“ ist dabei aber eine Mischung aus Modelabel und Maßschneiderei. Von einfachen Hosen oder Röcken bis zu aufwändigen Einzelstücken ist da alles dabei. Momentan mache ich aber zum Beispiel viele Brautkleider.

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Wie kam es dazu, dass du neben deinen Kollektionen auch noch auch Maßanfertigungen oder Brautkleider nähst?

Maßanfertigungen machten schon immer einen großen Teil meiner Arbeit aus. Dabei ging es anfangs vor allem um die Anpassung meiner Kollektionsmodelle an die Kurven meiner oftmals nicht konfektionskonformen Kundinnen. Das Nähen der Brautkleider hat sich eher so peu à peu entwickelt, anfangs hatte ich daran ehrlich gesagt kein besonder großes Interesse. Mittlerweile fertige ich allerdings zwischen 25 und 35 Brautkleider im Jahr – manche Bräute kommen dabei auch erst vier Wochen vor dem Hochzeitstermin auf mich zu.

 

Deine Kollektionen sind in vergangenen Jahrzehnten beheimatet – warum glaubst du, wird der Stil dieser Zeiten immer beliebter?

Ich glaube, ähnlich wie beim Heiraten, das ja mittlerweile auch wieder beliebt ist, kann man sich mit Retromode auf klassische Werte beziehen ohne dabei konservativ zu sein. Unsere Zeit heute ist so schnelllebig – mit retrogewandter Mode, alter Jazzmusik oder einem schönen Schwarz- Weiß- Schinken kann man da mal kurz innehalten. Außerdem haben wir natürlich heute die Freiheit, uns aus verschiedenen Modedekaden das Beste herauszupicken.

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Was macht für dich persönlich nun aber die Faszination der 1930er bis 40er Jahre aus?

Für mich persönlich ist die Frauen- und Herrenmode dieser Zeit der Urbegriff vom „gut angezogen“ sein. Besonders bei den Frauen finde ich die 1940er-Silhouette schön schlicht, die dadurch gezeigte Feminität ist in meinen Augen sehr reizvoll – die Schnitte sind sexy und weiblich, ohne aber bombshell-mäßig zu wirken. Und sie sind gerade auch für Frauen mit Kurven gut geeignet!

 

Du sprichst immer wieder davon, dass die 1930er bis 40er Jahre für kurvige Frauen gut geeignet sind. Sind deine Kundinnen dann auch meist besonders kurvig oder kleidest du eher typische Vintage-Fans ein?

Eigentlich kaufen meine Kollektionen ganz normale Frauen, meine jüngste Kundin ist gerade mal 18 Jahre alt, meine älteste schon 85. Die meisten meiner Stammkundinnen sind keine expliziten Vintage-Fans, sondern Frauen, die einen klassischen Kleidungsstil mit individueller Note bevorzugen.

 

Eine kurze Abschlussfrage, was sollte jeder Vintage-Fans eigentlich im Kleiderschrank haben?

Definitiv Nahtstrümpfe – die sind zeitlos schön und runden den typischen Look perfekt ab.

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