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Auf Rollen durch Südostasien: Von Saigon bis Singapur per Longboard

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Nachdem ich im letzten Sommer mit meinem Longboard von Deutschland bis Istanbul gefahren war, wurde es Zeit für ein noch größeres Abenteuer: Ich wollte von Saigon bis Singapur skaten. Um mich an meine Grenzen zu bringen, neue Erfahrungen zu sammeln, um zu wachsen und einfach zu reisen. Auf meinem Weg musste ich mich durch den dichtesten Verkehr kämpfen, den ich je gesehen hatte, durfte dafür aber mit kambodschanischen Mönchen über Weltpolitik diskutieren, wurde in Thailand zu einer kleinen Berühmtheit und habe mehr geschwitzt, als ich es überhaupt für möglich gehalten hatte.

 

Good Morning, Vietnam!

Nach meiner Ankunft in Saigon brauchte ich nur fünf Minuten um festzustellen, dass der Verkehr viel schlimmer war als alles, was ich je gesehen hatte. Es war unglaublich chaotisch und unmöglich, die Motorräder zu zählen, die dort unterwegs waren. Als ich das Hostel verließ und die erste Straße hinunterfuhr, war ich wahnsinnig glücklich, endlich zu starten, hatte aber auch eine Riesenangst. Zum Glück erwies es sich als wesentlich einfacher, durch diesen Verkehr zu skaten, als ich befürchtet hatte. Nach rund zwei Stunden ermüdendem Geschiebe durch die Stadt ließ der Verkehr langsam nach, ich sah immer weniger Häuser und Menschen und stattdessen immer mehr Reisfelder und sogar einige Kühe.

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Staubige Straßen in Kambodscha

In Kambodscha erwarteten mich noch wesentlich schlimmere Straßen und Staub überall. Jedes Mal, wenn mich ein Lastwagen überholte, musste ich eine halbe Minute den Atem anhalten, bis die Luft wieder rein war. Ich fuhr durch Reisfelder und vorbei an Büffeln, Kühen, kleinen Dörfern und den ersten Wäldchen. Auf meinem Weg nach Phnom Penh machte ich Halt an der Kohsatharam-Pagode und wurde von einigen der Mönche eingeladen, mich zu ihnen zu setzen. Schließlich diskutierten wir darüber, warum Deutschland unserer Ansicht nach ein so mächtiges Land sei, im Gegensatz zu Kambodscha. Ich besuchte in Kambodscha auch einige Projekte von UNICEF und Polarstern, zwei Nichtregierungsorganisationen, die ich persönlich unterstütze. Was sie in Kambodscha leisten, ist beeindruckend, und ich wünschte, mehr Menschen würden sich auf diese Weise engagieren.

 

Im Südwesten von Kambodscha wurde es dann wirklich verrückt. Mit dem Longboard durch dieses entlegene Gebiet im Kardamomgebirge zu fahren, war wirklich ein Abenteuer! Mir wurde erzählt, hier gäbe es immer noch wilde Elefanten, Berglöwen und Leoparden in den Nationalparks, die ich durchquerte, und auch wenn ich keine gesehen habe, machte es den Trip durch den Dschungel doch ganz besonders aufregend.

 

Das Königreich Thailand

Die ersten Kilometer hinter der thailändischen Grenze waren ziemlich hügelig, aber die Straßen waren fantastisch. Ich war noch nie auf so glatten Straßen unterwegs, und während ich an der Ostküste Thailands entlangfuhr, hatte ich einen spektakulären Blick über das Meer zu meiner Linken und den bergigen Dschungel zu meiner Rechten. Die Hitze war allerdings ein Albtraum. Ich trank rund sechs bis sieben Liter pro Tag und hatte trotzdem noch das Gefühl, seit Wochen nicht gepinkelt zu haben. Einige Tage später campte ich am Strand am Leam Sing Forest Park. Nachdem ich meine Hängematte aufgehängt hatte, genoss ich den Sonnenuntergang und schlummerte zum Klang des Windes und der Wellen ein. Genau davon hatte ich geträumt.

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Einmal hielt vor mir ein Pickup an und ein Reporter des nationalen thailändischen Fernsehsenders Channel 3 sprang aus dem Auto und wollte ein Interview mit mir führen. Nachdem ich fünf Tage in Folge in den Abendnachrichten erschienen war, änderte sich einfach alles. Viele Thais erkannten mich plötzlich, und nachdem sie ein paar Fotos mit mir gemacht hatten, stopften sie meine Tasche mit Lebensmitteln und Getränken voll. Die meisten Ausländer reagierten hingegen völlig anders. Einige ignorierten mich einfach, aber viele starrten mich auch mit offenem Mund an und brachen dann in Gelächter aus.

 

In Khao Lak nahm ich an einem Tauchausflug teil, weil man mir gesagt hatte, dass es dort gute Chancen gäbe, Manta-Rochen zu sehen. Leider bewahrheitete sich der alte Witz über Thailand: Im Wasser gab es mehr Taucher als Fische. Das war jedoch vergessen, als ich tatsächlich den ersten Rochen sah – eine der schönsten Kreaturen, die ich je gesehen hatte.

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Willkommen in Malaysia!

In Malaysia fuhr ich durch einige kleinere und größere Städte und wurde überall mit einem breiten Lächeln und überwältigender Herzlichkeit empfangen. Ich lächelte jedem und allem zu. Die Leute müssen mich für verrückt gehalten haben, aber das war mir egal. Die ganze Atmosphäre in Malaysia war ganz anders, vielleicht weil sich in diesem Land so viele verschiedene Kulturen mischen.

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Während meiner Zeit in Malaysia war es unglaublich heiß, und als ich in Kuala Lumpur ankam, war es so schlimm, dass mein Shirt und meine Shorts nach wenigen Minuten auf dem Board schon komplett durchgeschwitzt waren. Ich machte ein kleines Spiel daraus und zählte die Schweißtropfen, die von meinem Gesicht fielen. Der Rekord lag bei 35 Tropfen pro Minute.

 

Als ich in Pontian im Süden Malaysias ankam, wurde mir zum ersten Mal klar, dass mein Trip bald enden würde. Während ich den Sonnenuntergang beobachtete, erinnerte ich mich an all die wundervollen Momente, die ich auf meiner Reise erlebt hatte, all die tollen Menschen, die ich getroffen hatte, und die faszinierenden Orte, die ich gesehen hatte. Ich erinnerte mich an die Höhen und die Tiefen, wie ich es geschafft hatte, auch in harten Zeiten weiterzumachen, und wie sehr ich die guten Zeiten genossen hatte.

 

3.531 Kilometer bis Singapur

Als ich am nächsten Morgen aufwachte, war plötzlich der letzte Tag meiner Reise angebrochen. Weil ich aber noch einen weiten Weg vor mir hatte, blieb keine Zeit für Sentimentalitäten. Ich erreichte die Grenze zu Singapur und wurde immer aufgeregter, je näher ich dem Stadtzentrum kam. Und dann hatte ich es endlich geschafft. Ich hatte auf meinem Board in 70 Tagen von Saigon bis Singapur 3.531 Kilometer zurückgelegt. Meine Beine und Füße taten unglaublich weh. Und ich stand einfach da und genoss für einen Moment das überwältigende Gefühl, es geschafft zu haben. Allerdings kam ich schon bald in die Wirklichkeit zurück. Da standen nämlich auch noch Hunderte von Touristen, die ungefähr eine Milliarde Fotos schossen. Sie sahen mich an wie einen Außerirdischen. So verschwitzt, wie ich war, dreckig, von der Sonne verbrannt, müffelnd und grinsend wie der größte Vollidiot auf dem Planeten, war das wohl auch kein Wunder.

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Weitere Infos auf www.coupleofspins.org

 

 

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1 Comment

  • Antworten Januar 3, 2017

    Sarah

    Hey Jungs, cools Sache! Die Straßen waren überall so gut ausgebaut wie auf den Bildern? echt wahr? 🙂

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