Erlebe den King´s Day in Amsterdam

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„So muss es sein, wenn Silvester und Geburtstag, das erste Festival des Sommers und das Münchner Oktoberfest auf einem Event zusammentreffen würden!“

So etwas habe ich noch nicht gesehen! Es ist 10 Uhr am Morgen und auf der Gracht vor unserer Haustür schippern schon die ersten Partyboote vorbei. Völlig in Orange gehüllt, völlig überfüllt und schon ziemlich gut gelaunt. Die Boxen werden aufgedreht, ein Partyhit übertönt den anderen und auch wir drehen die Musik in unserer Bude auf.

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Meine Freundin Anne und ich lehnen, aufgeregt wie zwei Teenager vor ihrer ersten großen Party, am offenen Fenster und schauen dem bunten Treiben vor der Haustür zu. „Anne, wir werden auffallen“, bemerke ich besorgt – die orangene Haiwaiikette um den Hals geschwungen, die orangefarbene Herzchensonnenbrille auf der Nase und die orangene Krone im Haar: „Wir sind nicht orange genug angezogen!!“

 

Wir sind zum King´s Day in Amsterdam. Und das feiern die Holländer, als gäbe es kein Morgen mehr! King´s Day – beziehungsweise Koningsdag, wie es auf der Landessprache heißt – ist ein niederländischer Feiertag zu Ehren des Königs Willem Alexander. Tatsächlich ist es DER niederländische Feiertag! Jedes Jahr am 27. April – seinem Geburtstag – kommen die Leute auf die Straße, hüllen sich in Orange und feiern, was das Zeug hält. Bis 2013, als noch Beatrix Königin war, fand der damalige Koninginnedag noch am 30. April statt, doch das ist nun Geschichte.

 

Aufgekratzt wirft mir Anne noch eine weitere orangefarbene Kette über den Kopf und ruft zum mittlerweile fünften Mal die einzigen drei holländischen Worte, die wir wirklich gut können: „Hooooeee gaaaaat det?“ [Wie geht’s?]. Wir schmeißen uns wieder ans Fenster und winken den Vorbeifahrenden zu. Aus den vorherigen fünf Booten, die wir auf einen Blick zählen konnten, sind mittlerweile 15 geworden, die Straßen füllen sich und auch wir wollen endlich raus.

 

Denn wir haben ein Date: ein Date mit Ron und Finn von Canal Motorboats und ihren 30 Freunden, mit denen wir heute gemeinsam mit ihrem alten Kahn die Grachten unsicher machen werden. Auf dem Weg zum Boot kämpfen wir uns durch orange gekleidete Menschenmassen. Tapeziertische mit Flohmarktartikeln säumen die Wege links und rechts und wandeln die ganze Stadt in einen einzigen riesigen Flohmarkt. Jeder Zweite verkauft Poffertjes – eine niederländische Spezialität in Form kleiner münzgroßer Pfannkuchen – und alle hundert Meter müssen wir stehen bleiben, um einer kleinen Showeinlage zuzuschauen.

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Auf dem Boot geht der Wahnsinn dann erst richtig los. Mit einem Kahn, auf den sonst gemütlich zehn Leute passen, tuckern wir munter mit 30+ Besatzung los. Sitzplätze sind rar, aber das macht nichts, denn ich hänge mich vor Aufregung ohnehin viel lieber draußen an die Seite ran – wohin auch sonst mit meiner Energie, als balancierend auf den Rand des Kahns? Ins Wasser fallen kann ich sowieso nicht, denn wo sonst Wasser wäre, drängen sich jetzt die Nachbarsboote dicht an dicht. Schnell kommen wir mit allen ins Gespräch, hüpfen von Boot zu Boot, wieder zurück und bewegen uns im Schneckentempo auf einer einzigen Welle. Immer wieder springen Freunde des Kapitäns von den Brücken aufs Boot dazu und begrüßen uns, als würden wir uns schon seit Wochen kennen. Ziel unserer Fahrt ist die Party am Waterlooplein. Wir legen an und tanzen, tanzen, tanzen… bis die Sonne untergeht. Anne und ich schauen uns an und wissen: Dieser Moment, dieser Augenblick ist gerade das Einzige, was zählt. King´s Day, wie werden wiederkommen!

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Mein Fazit zum King´s Day:

Der Versuch, den Königstag in Amsterdam annähernd in Worte zu fassen ist ein uferloses Spiel. Vorgestellt hatte ich es mir als ein nettes Straßenfest, doch treffender ist es wohl, es als eine Mischung aus Sylvester und Geburtstag, dem ersten Festival des Sommers und dem Münchner Oktoberfest zu beschreiben! Irgendwo dazwischen findet dann noch die Love Parade statt! Wer also auf eines der fünf Dinge steht, sollte den King´s Day in Amsterdam nicht verpassen. Und wer ihn mit Haut und Haar, von der ganz echte Seite erleben will, der mietet sich ein Boot dazu.

 

Nice to know zum King´s Day:

  • Deckt euch zum King´s Day schon am Tag zuvor mit allen nötigen Lebensmitteln und Getränken ein. Am King´s Day selbst haben die Geschäfte geschlossen. Vereinzelt haben Supermärkte zwar geöffnet, verkaufen jedoch nur eine (!) Dose Bier oder Flasche Alkohol pro Nase.
  • Deckt euch zuvor mit allen nötigen orangefarbenen Accessoires und Kleidungsstücken ein. „Zu viel“, gibt es heute nicht.
  • Seid früh wach und fit, der King´s Day beginnt früher als man denkt, klingt dafür schon gegen frühen Abend aus.
  • Plant für all eure Wege mindestens doppelt so viel Zeit ein.
  • Boote, idR für etwa 7 Personen, könnt ihr euch beispielsweise bei Canal Motorboats ausleihen. Die Lenkung ist einfach und das Material stabil.

(www.canalmotorboats.com)

  • Die auf der Party gespielten Songs waren übrigens – wie sich später herausstellte – keine geringeren als die Sommerhits des kommenden Jahres. Lean On von Major Lazer und Mø, Stole the Show von Kygo und Cheerleader von OMI: Der Holländer kennt sich aus!

 

 

Ihr wollt eine Grachtentour außerhalb vom King´s Day unternehmen? Dann schaut doch mal hier vorbei: www.meininger-hotels.com/blog/grachtenfahrten-in-amsterdam

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