Frankfurts Zeil

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Kaum eine andere Stadt verbindet Urbanität so gelungen und selbstverständlich mit Dörflichkeit wie Frankfurt es tut. Moderne trifft auf Geschichte. Und das an fast jeder Ecke. Doch kaum eine andere Straße steht so unverkennbar für die Entwicklung des Stadtbildes, wie die weltberühmte Einkaufsstraße in Frankfurts Innenstadt – die Zeil.

Geschichtlicher Hintergrund

 

Ihr Bestehen reicht bis ins 12. Jahrhundert zurück. Damals zwar nur eine Häuserzeile unbedeutender Bürgerwohnungen, verlief sie parallel zur staufischen Stadtmauer. Erst als die Mainmetropole im 18. Jahrhundert als blühendes Wirtschafts- und Handelszentrum nach einer Prachtstraße rief, wurden Prestigeobjekte und Prachtbauten anstelle der Wohnhäuser errichtet.
Im 19. Jahrhundert verlor sie kurzzeitig an Glanz und erlebte insbesondere durch die beiden Weltkriege und die resultierende Zerstörung historischer Häuserfassaden einen Einbruch. Durch den eher pragmatischen Wiederaufbau konnte die Schönheit der einstigen Prachtstraße nicht vollständig erhalten bleiben und verlor auch aufgrund der darauffolgenden verkehrstechnischen Optimierung des Stadtteils an Charme.

 

 

 

 

 

 

Erst in den 70er Jahren verschwand der ÖPNV vollständig aus dem heutigen Bild der reinen Fußgängerzone und es wurden unterirdisch U-Bahnen gebaut. Durch mehrere Architekturprojekte und Grünanlagen entstand das neue populäre Image des modernen Frankfurter Einkaufsboulevards. Das Palaisquartier wurde gebaut, ein 130m hoher Büroturm errichtet und ein Luxushotel fand zusätzlich zu den beiden Einkaufszentren MyZeil und Zeilgalerie ebenfalls Platz.

 

 

 

 

 

 

 

 

Für die Planung und den Bau des „Myzeil“ engagierte man den italienischen Stararchitekten Massimiliano Fuksas, der das international bekannte Gebäude auf acht Etagen und Standort der längsten innenliegenden freitragenden Rolltreppe Europas designte. Gleich nebenan befand sich bislang die Zeilgalerie mit Aussichtsplattform und der beliebten Astor Filmlounge. Doch auch hier sind bereits Umbauten im Gange. So wird aus der 24 Jahre alten Zeilgalerie bis Ende 2018 durch zahlreiche Modernisierungsmaßnahmen und Umbauprojekte das exklusive „UpperZeil“.

 

 

 

 

 

 

Ist im generellen Vergleich eher ein Rückgang der Besucher auf klassischen Einkaufsstraßen festzustellen, konnte die Zeil dagegen Spitzenzahlen aufweisen und ist nicht nur im Ranking der umsatzstärksten Einkaufsstraßen Europas erfolgreich, sondern auch eines des bedeutendsten Innenstadtprojekte des Kontinents.

Große Modernisierungsprojekte in den letzten und kommenden Jahren lassen die Gegend zunehmend teurer und exklusiver werden, weshalb die Investitionen ins Straßenbild nicht ganz kritikfrei bleiben.

 

 

 

 

 

 

 

Frankfurt ist eine Weltstadt mit Beschaulichkeit. So wundert es nicht, dass auch die Zeil, auf der nördlichen Seite des Mainufers gelegen, eine vergleichsweise eher kurze Einkaufspassage ist. 1,2km misst die mit Abstand breiteste Straße der hessischen Metropole, rund 500m davon sind Fußgängerzone. Darauf zu finden: ein paar Imbissstände, Schnellrestaurants, jede Menge internationale Geschäfte, Büros, Hotels, Wohnungen, Einkaufszentren und und und… doch wir gehen der Reihe nach.

Wir starten an der Hauptwache und bewegen uns Schritt für Schritt östlich in Richtung Frankfurter Zoo.

Der Platz an der Hauptwache ist mit seinen 19.000 Quadratmetern einer der wichtigsten Dreh- und Angelpunkte Frankfurts. Nicht nur oberirdisch, direkt am Anfang der Zeil gelegen, sondern auch unterirdisch. So passieren den Bahnhof mit mehreren S- und U-Bahnstrecken sowie auch Regionalzügen im Durchschnitt über 180.000 Menschen täglich. Er ist somit einer der wichtigsten Verkehrsknotenpunkte im Rhein-Main-Gebiet.

Namensgeber ist ein barockes Gebäude aus dem 18. Jahrhundert, früher wichtiger Behördensitz und Gefängnis, heute das gut besuchte Café Hauptwache.

 

Direkt daneben befindet sich seit 1681 die St.-Katherinen-Kirche, die evangelische Hauptkirche der Stadt. Nicht nur durch Ihre zentrale Lage dient sie vielen als Oase in der schnelllebigen Metropole. Sie leistet einen wichtigen Beitrag in der Obdachlosenarbeit. Goethes Familie war im Besitz eines Teils der Kirche, vermutlich wurde er dort getauft.

 

Unmittelbar am Platz gelegen ist auch der Flagship Store von Galeria Kaufhof. Unübersehbar eines der größten Kaufhäuser des Konzerns.

 

 

 

 

 

Geht man weiter östlich, passiert man zunächst einige internationale Modeketten, bevor sich auf der linken Seite eine beeindruckende Glasfassade auftut. Optisch wird man gerade zu hineingesogen in das gläserne Kunstwerk. Es handelt sich um die Fassade des MyZeil. Direkt davor, die ebenfalls gläserne Fassade der Zeilgalerie, die sich jedoch momentan im Umbau befindet. Wo bislang die eher schlechtbesuchte Mall stand, soll bis Ende 2018 das UpperZeil errichtet werden – ein extravagantes Shoppingcenter, das wieder mehr Besucher anlocken soll.

 

 

 

 

Auf der rechten Straßenseite steht seit 1993 das Nobelhaus. Bis vor einigen Jahren war dort, an der Zeil 77-79, die erste und größte Disneystorefiliale Europas zu finden. Mittlerweile ist das Gebäude jedoch anderweitig vermietet.

 

Dem Straßenverlauf folgend wird man schon bald auf ein großes Gebäude aus den 50er Jahren aufmerksam, das vermutlich nach dem Vorbild des Lever House in New Yorks Park Avenue gebaut wurde. Das Bienenkorbhaus hat seinen Namen von dem Hauptmieter des Gebäudes, der Frankfurter Sparkasse. Das damalige Logo, ein Bienenkorb, erhielt einen Ehrenplatz als riesige Leuchtreklame auf dem Dach. Seitdem hat sich der Name Bienenkorbhaus etabliert.  Mittlerweile findet neben vielen Büros und der größten Sparkassenfiliale im Stadtgebiet dort auch der Flagship Store von Görtz seinen Platz.

 

 

 

 

 

 

Das Gebäude grenzt an den Platz der Konstablerwache an, kurz „Konsti“. Er bildet das östliche Ende der Fußgängerzone und somit das Gegenstück zum Platz an der Hauptwache, wenn auch optisch nicht zu vergleichen. So wird die Konstablerwache häufig als einer der hässlichsten Plätze Mainhattans betitelt. Im Rahmen von Umbauarbeiten wurde damals ein 80cm hohes Podest auf dem Platz errichtet, wodurch er allerdings kaum noch von Fußgängern genutzt wird. Diese gehen eher um den Platz herum. Die errichteten Stufen hindern viele Passanten an der Nutzung der Platzmitte, daher wird überlegt das Podest wieder zu entfernen. Rund um den Platz findet man viele Nachtbushaltestellen und einige Ausgehmöglichkeiten.

 

Läuft man weiter in Richtung Osten, wandelt sich die Zeil von der Fußgängerzone zur Verbindungsstraße die bis zur Friedberger Anlage führt. Auf dem Weg dorthin passiert man unter anderem die Hausnummer 42, wo das Oberlandesgericht Frankfurt am Main seinen Sitz hat. Als oberstes Gericht im Bundesland Hessen, ist es für mehr als 1200 Richter zuständig.

 

 

 

 

 

 

 

Ein Stückchen weiter ist noch das zentrale Bürgeramt der Stadt und steht man vor der Hausnummer 33, befindet man sich direkt vor der 1.Polizeiwache, die für die ganze Innenstadt verantwortlich ist.

Frankfurt ist eine Weltstadt mit Beschaulichkeit. Alte Fachwerkhäuser sind ebenso charakterisierend für die Stadt wie die Skyline des Bankenviertels. Apfelwein und grüne Soße bekommt man nach einem hektischen Tag in urigen Lokalen. Die Stadt steckt voller Gegensätze. Eine der wichtigsten und prägendsten Straßen, die Zeil, im Kern des Ganzen veranschaulicht die Geschichte Frankfurts und ist nicht nur wegen der großen Auswahl an internationalen Modelabels jederzeit eine Reise wert.

 

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