Hopfenrausch mit Kirschen

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Die belgische Bierkultur gilt als eine der vielseitigsten der Welt. In Brüssel laden Brauereien und Bierkneipen dazu ein, belgische Bierkunst zu erleben

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Presse Flandern

Es gibt nicht viele Dinge, die im streitbaren Belgien unumstritten sind. Aber, dass Belgien das Land der Biere ist und die Hauptstadt Brüssel spannendes Spiegelbild der heimischen Bierkultur, wird nirgends im Königreich infrage gestellt. Mit über 500 Biersorten, von der „Verbotenen Frucht“ bis zum „Delirium Tremens“, hat sich Belgien die mittelalterliche Bierkultur bewahrt und lässt seinen Gerstensaft mal edel wie Wein, mal spritzig wie Champagner schmecken. Die belgischen Brauer experimentieren eben gern. Auch mit Naturprodukten wie Kirschen und Himbeeren, die sie nach der ersten Gärung manchmal zumischen. Belgische Biere können leuchtend rot oder trüb orange sein, nachtschwarz oder (fast) klar wie Wasser. Sie schmecken bitter wie Medizin oder süß wie Limonade.

 

Brüsselreisende mit Entschlossenheit und Ausdauer können sich im „Délirium Café“ durch die 260-seitige Getränkekarte lesen. In der Nähe des Großen Marktes, gegenüber von Jeanneke Pis, ist die Stimmung im Café meist ausgelassen – mit ihren mehr als 2.400 Biersorten aus über sechzig Ländern schrieb die Kneipe internationale Biergeschichte. Weltrekord! Bestellt werden kann natürlich auch „Oud Bruin“, die traditionellste Sorte der belgischen Mischgärung. Diese Bierverschnitte werden aus verschiedenen Hefekulturen hergestellt. Das obergärige Ausgangsbier reift für knapp zwei Jahre in Eichenfässern, dadurch kommt es zur milchsauren Gärung. Das alte Bier wird dann mit „jungem“ Bier gemischt und als Versnijbier angeboten.

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Wer nach dem Besuch im „Délirium Café“ noch immer durstig ist, sollte einen kurzen Spaziergang tiefer ins Brüsseler Stadtzentrum unternehmen. Unweit der prachtvollen königlichen Sankt-Hubertus-Galerien bildet die denkmalgeschützte Schenke „A La Mort Suite“ eine Art Biotop unverfälschter Brüsseler Lebensart und gehört zu den legendärsten Bieradressen der Stadt. Der Ursprung des nur scheinbar makaberen Namens – la mort subite beschreibt den plötzlichen Tod – ist deutlich weniger dramatisch als Besucher vermuten (oder hoffen) könnten und steht in keinerlei Zusammenhang mit dem Einfluss und der Wirkung des Biers. Stattdessen geht der Name auf das einst im Vorgängerlokal gespielte Würfelspiel Pitjesbak zurück, bei dem der Verlierer als „der Tote“ bezeichnet worden ist. Die bereits in vierter Generation geführte Brasserie aus dem 19. Jahrhundert bietet sagenhafte Biere und traditionelle belgische Bierspezialitäten an. Bierliebhaber und -kenner haben hier die Qual der Wahl: Abtei- und Trappistenbiere, Kriek, Lambik oder Geuze stehen zur Auswahl.

Delirium Café

Ein authentisches Lambik, eine landestypische Spezialität durch Spontangärung, wird immer in der Nähe des Flusses Senne bei Brüssel gebraut und dabei mehr oder weniger dem Zufall überlassen. Der gekochte Biersud aus Weizen, Gerste, Hopfen und Wasser ruht in einem offenen Bottich und holt sich Wildhefe und andere Bakterien aus der Luft. Sobald die Gärung beginnt, wird der Sud bis zu drei Jahre in Holfässern gelagert, um später als trockenes, schaumloses Bier mit wenig Kohlesäure serviert zu werden.

 

Bestellt man Kriek in der Schenke, kann man ein sogenanntes Fruchtlambik genießen. Zur Herstellung werden pro Liter Bier 200 Gramm Kirschen zugesetzt, anschließend wird das Gemisch zur zweiten Gärung durch Fruchtzucker erneut 18 Monate im Fass gelagert. Noch heute bevorzugen belgische Brauer für die Kriekherstellung die alte Kirschenart Schaarbeek aus der Nähe von Brüssel.

 

Wer sein Bier gern noch süßer trinkt, wird Geschmack am Faro finden, einer alkoholarmen Biermischung. Produziert aus Lambik und einem viel leichteren, frisch gebrauten Bier, zu dem brauner Zucker, manchmal auch Karamell hinzugefügt wird. Ursprünglich wurde der Zucker erst kurz vor dem Servieren beigemischt; er verhinderte die Bildung von Alkohol oder Kohlensäure im Bier bei und verlieh Faro seinen charakteristischen süßen Geschmack.

 

 

Adressen:

Délirium Café

‪Impasse de la Fidélité 4A

1000 Brüssel

 

A La Mort Subite

‪rue Montagne-aux Herbes Potagères 7

1000 Brüssel

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