Unterwegs in Hamburg-Altona

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Hamburg-Altona ist ein bunter, etwas rauer, vielfältiger und vor allem lockerer Stadtteil. Er ist einerseits so klein, dass sich die Anwohner untereinander persönlich kennen, aber auch groß genug, um sich in seinen charakteristischen Straßenzügen treiben zu lassen, die voller Leben und Lachen stecken. Selbst an kalten Wintertagen ändert sich an dieser offenen Atmosphäre kaum etwas, und die unverwechselbare Art der Menschen, die auf den zahlreichen Wochenmärkten einkaufen gehen, bleibt unverändert. Selbst die norddeutsche Brise kann die Bewohner nicht davon abhalten, in der legendären Strandperle, einer Strandbar am Elbufer, auf ein Glas Wein und den besten Matjes Hamburgs einzukehren. An vielen Stellen hat sich die Geschichte in die Gebäude eingebrannt, die Altonas florierende Gegenwart mit der komplizierten Geschichte des Stadtteils verbinden. Machen Sie sich also auf den Weg und entdecken Sie die Energie seiner Bewohner, die den einstmals vernachlässigten und von Leerstand geprägten Stadtteil zu einem der begehrtesten Stadtviertel Hamburgs gemacht haben.

© Michael & Melli Mortlock

Ganz im Westen von Hamburg gelegen, machen die vielen renovierten Gebäude, die inhabergeführten Geschäfte und einzigartigen Freizeitmöglichkeiten, die magische Atmosphäre des Hafens und die Nähe zum Stadtzentrum Altona zur derzeit angesagtes Adresse Hamburgs.

 

Die Geschichte des Stadtteils zeugt von einer besonderen Eigenständigkeit. Im Jahr 1640 fiel Altona der dänischen Krone zu, der der Ort fast zwei Jahrhunderte angehörte. Tatsächlich wurde Altona erst 1938 an Hamburg angegliedert. Mitten im Herzen Altonas, in Ottensen, können Sie den Geist dieser Unabhängigkeit selbst spüren. Vor allem in der Zeißstraße lässt sich die Geschichte des Stadtteils an der Architektur der kleinen, dreitürigen Häuser dänischer Bauart ablesen. Werfen Sie einen Blick auf dieses Kulturerbe, bevor gleich um die Ecke schon der nächste wichtige Stopp auf Sie wartet: Die Torrefaktum Kaffeerösterei (Bahrenfelder Straße 237), eine lokale Rösterei, die eine schier unendliche Palette an Kaffeespezialitäten im Angebot hat. Stellen Sie Ihren Gaumen auf ausgewogene, schokoladige und vollmundige Geschmacksnoten ein. Die von Tag zu Tag wechselnden Süßspeisen, das Hausgebackene, die zahlreichen anderen Getränkespezialitäten und die gemütliche Atmosphäre sind gute Gründe, hier den Morgen zu verbringen.

© Gulliver Theis

Mit ausreichend Koffein versorgt, schlendern sie nun zurück ins Zentrum Altonas und lassen sich durch die vielen kleinen Seitenstraßen treiben. Vielleicht stoßen sie auf eine der vielen gemütlichen und einladenden italienischen Focaccerien wie das Bonassola (Große Rainstraße 20). Der betörende Duft frischgebackener Focaccias zieht Sie förmlich die Stufen hinunter. Unten serviert das gastfreundliche Personal authentische und wohlschmeckende Gerichte, die mindestens genauso appetitanregend und lecker sind wie in ihrer ligurischen Heimat. Gleich um die Ecke finden Sie einige der Spezialitätengeschäfte, für die Altona so bekannt ist, darunter Kopf und Kragen (Stangestraße 3), ein kleiner, inhabergeführter Laden, der sich auf hochwertige Kopfbedeckungen und Turnschuhe spezialisiert hat. Einen kurzen Fußmarsch entfernt finden Sie FKIDS (Ottenser Hauptstraße 37), einen weiteren Independent-Laden voller Vintage-, Boho- und Gypsystyle-Frauenkleidern sowie zahllosen Accessoires.

© Michael & Melli Mortlock

Bei ihrem Spaziergang durch die Straßen können Sie ganz klar erkennen, dass Altona Heimat ganz unterschiedlicher Menschen ist, denn die Einwohner weisen außer ihrem persönlichen Freiheitsdrang keinerlei charakteristische Merkmale auf. Dank der großen Offenheit und des freien Geistes seiner Bewohner ist Altona zu einem multikulturellen Schmelztiegel geworden, in dem jeder er selbst sein kann, ohne sich irgendeinem gesellschaftlichen Druck beugen zu müssen.

 

„Altona ist in Sachen Style sehr offen – hier gibt es von den Modebewussten bis zu den Alternativen einfach alles. Und alles ist ganz bunt gemischt“, sagt Adriano, ein aus Brasilien stammender Stylist, der seinen eigenen Salon in der Altonaer Stadtmitte betreibt. „Die kleinen Geschäfte und Cafés an jeder Straßenecke haben ganz unterschiedliche Geschichten zu erzählen. In Altona ist es für die Menschen nicht wichtig, sich anzupassen. Wer hier ist, wird mit seinem ganz eigenen Style Teil des Ganzen. Da gibt es überhaupt keine Regeln.“

© Michael & Melli Mortlock

Als angehender Sänger und erfolgreicher Haar- und Make-up-Stylist betreibt Adriano seinen Salon mitten in der legendären Hamburger Stage School in der Nähe des Altonaer Bahnhofs. Über die Jahre konnte er beobachten, wie das Viertel immer beliebter wurde und sich rasant veränderte. Die große Aufmerksamkeit, die der Stadtteil genießt, überrascht ihn aber dennoch immer wieder aufs Neue. „In den letzten sieben Jahren hat sich hier wirklich sehr viel verändert“, sagt Adriano, auf seine Zeit in Hamburg angesprochen. „Altona war mal so eine Art Schmuddelkind, in das nur wenige Leute freiwillig gezogen sind. Aber jetzt wird es von Tag zu Tag cooler.“

 

Zu den vielen Vorzügen Altonas zählt auch der starke Gemeinschaftsgeist. Den kann man auch auf dem Wochenmarkt am Spritzenplatz erleben, auf dem Anwohner und Touristen essen gehen und das ganze Jahr über Lebensmittel aus der Region einkaufen. Die umliegenden Hauptstraßen sind eng, Verkehr gibt es kaum. Dadurch bleibt viel Platz für umherstreifende Flaneure. Das Nachtleben gilt dagegen gemeinhin nicht als große Stärke Altonas. Die liegt eher in seinen Wochenmärkten und den vielen kleinen Cafés und Bars. Und die ziehen auch die Anwohner an, die sich bei einem Drink häufig auch vor der Tür versammeln. Eine beliebte Adresse ist beispielsweise das Aurel (Bahrenfelder Str. 157). Leckere Drinks bekommt man in der Rehbar (Ottenser Hauptstraße 52). Verpassen Sie auch nicht das Familien Eck (Friedensallee 2-4), eine quirlige Kneipe, in der es Astra, Gin und gute Musik gibt. Zwar kann das Nachtleben in Altona nicht mit der Gegend rund um die Reeperbahn mithalten, die ganz in der Nähe liegt – trotzdem sollten Sie einmal einen Blick in die Fabrik (Barnerstraße 36) werfen. Hier finden zahlreiche Veranstaltungen statt und es gibt Livemusik und Indoor-Märkte.

© Michael & Melli Mortlock

Auch in Zukunft dürfte Altona weiter an Beliebtheit gewinnen. Steigende Mietpreise sind also wohl vorprogrammiert. Trotzdem hofft Adriano, dass der quirlige Charme und die Offenheit des Stadtteils erhalten bleiben. Er empfiehlt, bei einem Besuch in Altona grundsätzlich offen zu sein und alles einfach so zu nehmen, wie es kommt. „Am besten lernt man Altona kennen, wenn man einfach nur Zeit hier verbringt und die eigenen Vorurteile ablegt. Die beste Art, den Stadtteil zu erkunden, ist, sich einfach treiben zu lassen.“

© Michael & Melli Mortlock

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